Presseerklärung: „Freunde des Bauwagenwohnens e.V.“ zum geplanten Hebebrandquartier

19.6.2011

Presseerklärung: „Freunde des Bauwagenwohnens e.V.“ zum geplanten Hebebrandquartier

Seit 2009 plant die Stadt das „Hebebrandquartier“, eine Neubausiedlung, die zwischen S- Bahnhof Alte Wöhr und der Hebebrandstraße entstehen soll.
Im fortschreitenden Gentrifizierungsprozess wird somit jetzt die nördliche Seite des Stadtparks als gewinnversprechende Spekulations- und Entwicklungsfläche umgeplant. In dem betroffenen 39 Ha großen Areal befinden sich derzeit u. a. mehrere Kleingartenvereine, zwei Flüchtlingsheime und ein Bauwagenplatz. In den Umstruktuierungs- und Bauplänen sind zumindest für die Flüchtlingsheime, den Bauwagenplatz und auch für einen Großteil der Kleingartenparzellen kein Platz mehr. Dieses Vorgehen sehen wir eingebunden in einen Stadtentwicklungsprozess, in dem bestehende Strukturen zerstört werden um Platz für Neubau zu schaffen während der bestehende Leerstand immer weiter ausufert.
So bestehen bspw. in der unmittelbar angrenzenden City Nord seit Jahren ein beachtlicher Leerstand und Brachflächen, deren Umwandlung in Wohnraum nicht einmal in Betracht gezogen wird.
Das Hebebrandquartier wird damit beworben, dass hier zum Teil – abhängig von den Bau- und Erschließungskosten – auch „bezahlbarer“ Wohnraum entstehen soll. Die aktuellen Entwicklungen haben aber gezeigt, dass mit scheinbar sozialem Wohnungsbau geworben und damit politischer Druck auf die Betroffenen ausgeübt wird, die Sachlage sich aber schnell ändert, sobald es um den Verkauf der Grundstücke oder den tatsächlichen Bau von Wohnungen geht. Ein Beispiel aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft liefert die „Parklane“: Statt den angekündigten erschwinglichen Wohnungen sind dort bis heute lediglich einige teure Luxuswohnungen gebaut worden. In dem öffentlich einsehbaren Planungskonzept zum Hebebrandquartier ist jetzt schon die Rede davon, dass der beabsichtigte günstige Wohnraum wahrscheinlich nicht realisiert werden kann.
Die Tatsache, dass bei den Planungen für das Hebebrandquartier über den Verbleib des Bauwagenplatzes bisher keine Überlegungen angestellt wurden, werten wir als klare Intention, ein weiteres Mal alternative Wohnformen in dieser Stadt zu zerstören.
Wir lehnen das Angebot eines Beteiligungsverfahrens an der Planung des Hebebrandquartiers ab, weil es darauf abzielt, den antizipierten Widerstand zu integrieren und im Keim zu ersticken.
Wir wollen mit der Forderung nach Erhalt des Bauwagenplatzes nicht zu Gegnern bezahlbaren Wohnraums gemacht werden. Wir fordern vielmehr die Umwandlung von Leerstand zu bezahlbarem Wohnraum statt der Verdrängung lebendiger Wohnstrukturen!
Wir erklären uns solidarisch mit den betroffenen Kleingartenvereinen und allen Menschen, die auch sonst hier leben. Wir werden uns keinesfalls räumen lassen, sondern wehren uns gegen die monothematische Verwandlung der Stadt in eine geleckte und aufgeräumte Luxusmetropole!